Typisch kroatisches Weihnachtsessen: Fisch, Fritule & Co.

By kroatienexpertin | Küche & Kulinarisches

Dez 20
Forelle oder pastrva ist ein beliebter Süßwasserfisch in Kroatiens Norden (Photo credit: Veronika Wengert).

Sarma, Stockfisch oder Spanferkel? Was als typisch kroatisches Weihnachtsessen in Kroatien gilt, hängt mitunter von der jeweiligen Region ab: Während Heiligabend in Dalmatien ohne bakalar, getrockneten Stockfisch, nahezu undenkbar ist, schmoren anderswo Pute, Ende, Huhn oder Gans im Ofen - aber auch Spanferkel. Lest selbst, was euch kulinarisch in Kroatien erwartet – und welche regionalen Unterschiede es gibt.

Sarma ist ein typisch kroatisches Wintergericht

Sarma! Sicher habt Ihr in einem Balkan-Laden in Eurer Stadt schon mal vakuumverpackte Krautköpfe gesehen und Euch gefragt, wozu man diese eigentlich benötigt? Für Sarma! Diese gilt als Leibspeise vieler Kroaten: Die mit Hackfleisch gefüllten Sauerkrautwickel kommen vielerorts gerne als typisch kroatisches Weihnachtsessen auf den Tisch. Überhaupt gilt sie als "Königin des Winters" und hat in der kalten Jahreszeit ihren großen Auftritt.

Sarma ist ein beliebtes kroatisches Gericht (Photo credit: Arhiva TZG Zagreba/CroChef).

Sarma wird an Weihnachten in Kroatien gerne gegessen - auch in der Hauptstadt Zagreb (Photo credit: Arhiva TZG Zagreba/CroChef).

Slawonien

An Heiligabend wird gefastet, entsprechend dem Ritus der katholischen Kirche: Früher wurde tagsüber kaum etwas gegessen – heute wird in vielen Familien ein Fischgericht zubereitet, etwa Fiš-paprikaš, gesprochen: Fisch-Paprikasch. Fleisch ist an Heiligabend verpönt. Typische Fischarten im Landesinneren Kroatiens sind Karpfen (šaranj), Forelle (pastrva) oder Wels (som) – überhaupt erinnert die slawonische Küche stark an die ungarische. Und so wird das Fiš-paprikaš, das umgangssprachlich oft nur "fiš" (gesprochen: Fisch) genannt wird, mit reichlich Paprika und Zwiebeln zubereitet und erinnert eher an ein deftiges Fischgulasch. Die ansprechende internationale Koch-Reihe "Zu Tisch in..." des TV-Senders Arte hat das Rezept für Fisch-Paprikasch auch für sich entdeckt, hier könnt Ihr es auf Deutsch nachlesen.

In der Baranja wird auch gerne Karpfen über dem offenen Feuer gegrillt (šaranj na rašljama). Der Fisch wird dabei auf eine Art Riesen-Holzgabel gespießt - also eine Art kroatischer "Steckerlfisch".

Am Ersten Weihnachtsfeiertag wird geschlemmt, meist schon unmittelbar nach der Christmette an Heiligabend, wenn man nach Hause kommt: Dann wird der Braten schon mal gekostet, ob er auch wirklich gut schmeckt. Am Ersten Weihnachtsfeiertag stehen Suppe, Hauptgang - gerne Rindfleisch - mit Salat und ein Kuchen auf dem Speiseplan, natürlich im Kreise der Familie.

Weit verbreitet ist Guglhupf, auf Kroatisch „kuglof“ – also sprachlich ein echter Germanismus, wie Ihr vielleicht erkennen könnt. Beliebt sind auch orahnjača (Nusszopf) oder makovnjača (Mohnzopf), also trockene Kuchen. Es findet sich aber auch der beliebte kroatische Schichtkuchen madjarica (dt. "Ungarin") auf dem Tisch. Oder šapice (dt. "Tatzen"), traditionelle Plätzchen mit Schweineschmalz, gemahlenen Haselnüssen, Mehl und Honig. Hier findet Ihr ein Rezept auf der empfehlenswerten kroatischen Kochseite coolinarika.com dazu, leider nur auf Kroatisch - aber auf dem Foto seht Ihr, wie die Plätzchen aussehen.

Was wird Weihnachten in Slawonien getrunken? An Heiligabend wird gerne medenica oder medovača, also Honiglikör, zu den Fastengerichten gereicht - durchaus schon am Vormittag.

Zagreb und Nordwestkroatien

Purica s mlincima (Photo credit: TZG Zagreba/CroChef)

Pute mit Plinsen, purica s mlincima, gilt vor allem in Nordwestkroatien und Zagreb als typisch kroatisches Weihnachtsessen (Photo credit: Arhiva TZG Zagreba/CroChef).

In der kroatischen Hauptstadt Zagreb und im Nordwesten des Landes, etwa im Zagorje, kommt an Heiligabend ebenfalls kein Fleisch auf den Tisch. Eine Gemüsesuppe, aber auch Fischgerichte, entsprechend der katholischen Fastentradition, sind stattdessen angesagt. Nach der Mitternachtsmette an Heiligabend wird auch hier oft schon der leckere Weihnachtsbraten probiert. Hladetina, hausgemachter Aspik oder Sülze mit Fleischstücken, ist durchaus üblich – das Gericht verbinde ich mit meiner Kindheit, denn das gab es bei uns auch.

An Weihnachten ist hingegen Pute mit Plinsen üblich, also purica s mlincima. Vielleicht habt ihr die trockenen Teigplatten auch schon mal in einem kroatischen Supermarkt entdeckt? Sie sind recht groß und dünn, werden auseinander gebrochen, aufgebrüht und müssen dann im Bratensaft noch ziehen. Purica ohne mlinci? Undenkbar. Die populäre Beilage hat sogar einen deutschsprachigen Wikipedia-Eintrag.

Im Medjimurje wird gerne Ente gegessen, seltener findet sich Huhn. Was in Zagreb und Umgebung auch immer geht, sind štrukli, mit Quark (Topfen) gefüllte Teigtaschen!

Und das typische Weihnachtsdessert in Zagreb? Ähnlich wie in Slawonien gibt es Nuss- oder Mohnstrudel, aber auch baklava oder breskvice, falsche Pfirsiche. Ein tolles Rezept für breskvice auf Deutsch habe ich für Euch auf chefkoch.de gefunden - allerdings noch nicht selbst ausprobiert. Ich liebe die kleinen runden orangefarbenen Kekse, die wie Mini-Pfirsiche aussehen, muss allerdings zugeben, dass ich sie immer in der slastičarna, der Konditorei kaufe - oder mich von der Verwandtschaft damit verwöhnen lasse. 

Makovnjača ist mit Mohn gefüllter Hefestrudel.

Mohnstrudel rundet ein typisch kroatisches Weihnachtsessen ab - und wird nicht nur in Zagreb gerne gegessen (Photo credit: Arhiva TZG Zagreba/CroChef).

Istrien und Die Kvarner-Bucht

Fisch! An Heiligabend kommt oft bakalar auf den Tisch, getrockneter Stockfisch. In manchen Familien gibt es Fischsuppe oder ein anderes Fischgericht. Weit verbreitet in Istrien ist auch maneštra, eine Art sämige Gemüsesuppe mit Hülsenfrüchten.

Am Weihnachtsfest stehen Geflügel und Fleisch auf dem Speiseplan: Pute, aber auch andere Geflügelarten, oder Kalbfleisch. Im Gorski kotar, dem gebirgigen Hinterland der Kvarner-Bucht, sind Spanferkel und Lamm weit verbreitet. Und natürlich werden die berühmten Kartoffeln aus der Lika dazu gereicht. Sarma? Kennt man auch hier!

Das Dessert fällt auch in Istrien und dem Kvarner Golf eher trocken aus, mit Mohn- oder Nusszopf - aber natürlich gibt es auch hier andere Kuchen, Torten und Co., um ein typisch kroatisches Weihnachtsessen abzurunden.

Dalmatien

Bakalar! Stockfisch gilt in Dalmatien als traditionelle katholische Fastenspeise an Heiligabend. Der getrocknete Kabeljau oder Dorsch, also junger Kabeljau, stammt meist aus Norwegen oder nordischen Gewässern importiert. Getrocknet wird er Stockfisch genannt. Falls Ihr noch keinen gesehen habt, findet Ihr bei Wikipedia Stockfisch-Fotos.

Der bakalar, Stockfisch, muss vor der Verarbeitung unbedingt eingeweicht werden, etwa zwei bis drei Tage. Dann wird er auf „bianco“-Art zubereitet (bakalar na bijelo), also mit Olivenöl, Weißwein, Petersilie, Knoblauch. Dazu werden Kartoffeln als Beilage gereicht - ein Genuss! Ok, es riecht bei der Zubereitung ziemlich streng in der Küche, das Ergebnis schmeckt aber wirklich vorzüglich. Früher galt bakalar übrigens als Arme-Leute-Essen!

Alternativ gibt es in Dalmatien Calamari oder Oktopus. Beliebt als Beilage ist gedünstetes Gemüse auf lešo-Art, Olivenöl und Knoblauch. Oder ein Brodetto (brudet), ein deftiger Fischeintopf.

An Weihnachten gibt es in vielen Familien in Dalmatien pašticada, in Rotwein marinierten Rinderschmorbraten, dessen Zubereitung viel Zeit erfordert. Rezepte für pašticada gibt es vermutlich so viele, wie Köchinnen. Einige schwören auf Dörrpflaumen, suhe šljive, die dem Braten einen süßlichen Geschmack verleihen. Ein Rezept für pašticada findet Ihr auf der empfehlenswerten österreichischen Kochseite ichkoche.at - auf Deutsch (von mir noch nicht ausprobiert, aber ich habe schon viele leckere Rezepte auf der Website gefunden).

Keine Frage: Das bekannteste Weihnachtsdessert in Dalmatien sind fritule, frittierte Teigbällchen, meist mit geriebenem Apfel und einem Schuss rakija, also Schnaps, im Teig. Fritule kennt man in Dubrovnik als prikle. 


Und was kommt bei Euch an Heiligabend und Weihnachten auf den Tisch?

(Photo credit: Beitragsbild oben, Forelle - Veronika Wengert)

Dobar Tek!

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