Rezept: Kastanienpüree (kesten pire) selbst gemacht

By kroatienexpertin | Küche & Kulinarisches

Dez 09

Kesten pire! Ich erinnere mir noch genau an meine erste Portion Kastanienpüree, in einem Café auf der Ilica in Zagreb. Das fadenförmig gepresst Püree aus Maronen wurde in einem hohen Glasbecher serviert, gekrönt von einem Riesenberg Schlagsahne. Gefühlt war das köstliche Dessert so hoch, dass es mir den Blick auf meine Tante versperrte, die mir an dem winzigen Marmortisch gegenübersaß.

Seit dieser Begegnung bin ich dem Kastanienpüree verfallen: Der nussige Geschmack, diese cremige Süße – das zergeht auf der Zunge. Wenn die Vitrinen der Zagreber Cafés mit kesten pire locken, ist das ein untrügliches Zeichen: Hurra, der Herbst ist wieder da! Und was gibt es Schöneres, wenn es draußen stürmt, als heiße, duftende Maroni oder eben ein Dessert aus Kastanienpüree?

Zum Kastanienpüree gehört Schlagsahne

Kesten pire wird nicht nur mit Schlagsahne als Dessert serviert, sondern als Füllung für Torten und Kuchen verwendet. Vielleicht habt Ihr ja schon mal eine kesten kocka (wörtlich: „Kastanienwürfel“) in der Vitrine einer kroatischen Konditorei gesehen? 

Kastanienpüree ist ein typisch herbstliches Dessert.


Ein wenig geriebene Schokolade passt prima zu Kastanienpüree.

KAstanienreis, Vermicelles und Co.

Auch in Ungarn in Gesztenyepüré *) sehr beliebt, in ungarischen Feinkostläden oder bei Amazon werdet Ihr fündig. In der ungarischen Küche kommt Kastanienpüree übrigens auch als Füllung für Palatschinken zum Einsatz. Und bei den Schweizern ist Vermicelles fast eine Art Nationaldessert: In fast jedem Supermarkt gibt es tiefgekühltes Vermicelles in Blöcken – auch in Bio-Qualität. In Österreich solltet Ihr nach Kastanienreis fragen, den es ebenfalls tiefgekühlt gibt. Auch in Südtirol und Frankreich kennt man Maronen- oder Kastanienpüree.

Kastanienpüree mit frischen Esskastanien machen 

Und in Deutschland? Hier findet Ihr Esskastanien oder Maronen gekocht oder geröstet am Straßenstand, vielleicht noch als Beilage zu einem deftigen Braten. Aber als Vermicelles-Dessert im Café? Fehlanzeige. Also macht es selbst, nach kroatischem Rezept!

Dafür nehmt Ihr am besten frische Esskastanien oder Maronen, die es in Deutschland in gut sortierten Supermärkten und auf dem Stadtmarkt gibt. Oft handelt es sich um importierte Nussfrüchte aus Italien oder Frankreich, die von September bis Januar erhältlich sind. Für 1 Kilogramm frische Esskastanien bzw. Maronen solltet Ihr etwa 10 Euro einkalkulieren.

Oder Ihr sammelt selbst welche, wenn Ihr Euch auskennt. Das solltet Ihr unbedingt, damit nicht etwa Rosskastanien auf Eurem Teller landen – denn hierzulande wachsen etwa 20 Kastanienarten, von denen jedoch nicht alle genießbar sind. Alternativ gibt es bereits gekochte, geschälte und vakuumverpackte (Bio-)Esskastanien zu kaufen oder Maronenpüree in Dosen – was Euch natürlich reichlich Zeit spart.

Selbstgemachtes Kastanienpüree - der Hit

Eigentlich ist Kastanienpüree, Kastanienreis, Vermicelles oder kesten pire ganz einfach zu machen – doch leider dauert die Zubereitung ein wenig, wenn Ihr frische Esskastanien verwendet. Ein Blitz-Rezept für Kastanienpüree kann ich Euch daher leider nicht liefern. Vor allem das Entfernen des dünnen braunen Häutchens unter der Schale kostet einige Zeit, wenn Ihr nicht so geübt seid. Aber es lohnt sich, versprochen! Seid Ihr bereit für das Dessert? Los geht es, mit vielen Bildern - step by step:

Rezept:

hausgemachtes Kastanienpüree (domaći kesten pire):



Zutaten für 4 Personen:

700 Gramm frische Maroni/Esskastanien mit Schale

2 Esslöffel Zucker

1 Päckchen Vanillinzucker

1 Tasse Milch

Nach Belieben:

2 cl Rum (Alternativ: Rum-Aroma) oder Kirschwasser

Schlagsahne als Topping

Geraspelte Blockschokolade zum Verzieren

ZUBEREITUNG:

  • Ritzt die Schale der Maronen auf der gewölbten Seite mit einem spitzen Messer kreuzförmig ein. So könnt Ihr vermeiden, dass die Maronen beim Kochen aufplatzen.
Esskastanien unbedingt einritzen!
  • Gebt die Maronen nun in einen Topf und bedeckt sie komplett mit Wasser. Kocht die Maronen etwa 15 bis 20 Minuten lang – je nach Größe. Ob Sie fertig sind, erkennt Ihr, wenn sie sich langsam aus der eingeritzten Schale lösen.
Maroni müssen mit Wasser bedeckt werden.
  • Da sich das dünne braune Häutchen unter der Schale nur schwer lösen lässt, sollten die Maronen beim Schälen noch heiß sein. Das Häutchen sollte unbedingt entfernt werden, denn es schmeckt leicht bitter und lässt sich nicht zu einem geschmeidigen Püree verarbeiten. Mein Tipp: Ich habe eine spezielle Pellkartoffelgabel *) mit drei Zinken, mit der man die Maronen prima aufpieksen und die Schale dann vorsichtig entfernen kann. Die Maronen zerbröckeln damit manchmal zwar, aber Ihr verbrennt Euch wenigstens nicht die Finger. Alternativ könnt Ihr auch dickere Gummihandschuhe anziehen.
Kartoffelpiekser sind eine Hilfe.
  • Wenn Ihr die Maronen geschält habt, könnt Ihr sie mit dem Kartoffelstampfer oder der Küchenmaschine zerkleinern. 
  • Gebt die zerkleinerten Maronen dann mit 1 Tasse Vollmilch, 2 Esslöffeln Zucker und 1 Tütchen Vanillinzucker in einen Topf und köchelt das Ganze auf leichter Flamme wenige Minuten. Bleibt idealerweise dabei, damit die Milch nicht anbrennt. Die Masse ist fertig, sobald die Kastanien die Milch eingezogen haben. Wenn keine Kinder mitessen, könnt Ihr dem Püree mit Rum oder Kirschwasser den letzten Kick verpassen.
Mühsam: Von Hand durch ein Sieb pürieren.
  • Die Masse erkaltet recht schnell. Idealerweise nehmt Ihr nun eine Vermicelles-Presse *), eine Gebäckpresse mit Vermicelles-Spritzeinsatz bzw. einer Vermicelles-Tülle *) oder eine Knoblauchpresse. Ich hatte bei diesem Rezept keine zur Hand, also habe ich ein – leider zu feines – Sieb genommen und es auch mit einer - leider zu großen - Spritztülle probiert. Das Ergebnis war mäßig, die „Würmchen“ sind zu fein bzw. zu dick ausgefallen.
Mit einer breiten Spritztülle gelingt es nicht so gut.
  • Wenn Ihr wollt, könnt Ihr das kesten pire mit ein wenig geriebener Blockschokolade bestreuen. Klassisch kroatisch gehört ein Berg Schlagsahne als Topping drauf. Mir schmecken beide Varianten gut. Probiert es einfach aus!

Dobar tek!

*) Wenn Ihr Eure Bücher, Filme und Co. über diese Links/Buttons bei Amazon bestellt, kostet Euch das keinen Cent mehr - allerdings könnt Ihr damit diesen Kroatien-Blog unterstützen. Recherche, Reisen, Server und Co. kosten nun mal leider ein paar Kuna pro Monat. Dankeschön!

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