Split: Auf einen Kaffee in den Diokletianpalast

By kroatienexpertin | Erleben & Entdecken

Mai 14
Cafe Luxor Split (Foto: Veronika Wengert).

Blankpolierte Pflastersteine, römische Soldaten und eine schwarze Sphinx – das alles erlebt man in einem der schönsten Paläste der Welt, dem Diokletianpalast in der kroatischen Küstenstadt Split. Wer nun Giebeltürmchen, Erker und Kristalllüster erwartet, wird erstaunt sein. Lasst Euch auf einen Espresso in einem meiner Lieblingsorte in Split ein!

Kirschrote Sitzkissen liegen auf mächtigen hellen Kalksteinstufen aus, auf denen Urlauber ihre Smartphones, Selfiesticks und zerknitterten Stadtpläne ausbreiten. Das Café Luxor ist einer jener Plätze, an denen man unweigerlich vorbeikommt: Mitten in der Altstadt von Split gelegen, im Peristyl des antiken römischen Kaiserpalastes des Diokletian. Jeder Reisende, der durch die Altstadt der zweitgrößten Stadt Kroatiens bummelt, landet irgendwann hier. Gefühlt zumindest.

Aussenmauern des Diokletianpalastes in Split

Der antike Diokletianpalast grenzt direkt an die Riva von Split (Foto: Veronika Wengert).

Das hat seinen Grund: Der Diokletianpalast gilt als wichtigste Sehenswürdigkeit von Split. Kaiser Diokletian ließ das mächtige Bauwerk um 300 n. Chr. errichten, um dort seinen Ruhestand zu verbringen. Wer nun allerdings ein Kastell oder ein Schlösschen inmitten der Stadt erwartet, dürfte erst einmal verwirrt durch die engen Gassen irren. Warum? Der Diokletianpalast ist kein einzelnes Gebäude, sondern umfasst die Altstadt von Split. Oder, um es einfacher zu sagen: Die Altstadt von Split IST gewissermaßen der Diokletianpalast!

Das ganze Areal ist riesig! Es ist so groß wie vier Fußballfelder. Und die Mauern erst! Stellenweise ziehen sie sich bis zu 18 Meter hoch! Zwei Hauptstraßen durchziehen den Diokletianpalast rechtwinklig, vier Stadttore führen hinaus – und lohnen einen Abstecher und Fotostopp.

In den Altstadtgassen drängen sich graue Natursteinhäuser den für Split so bekannten Schuh-Boutiqen. Italienische Schuhe, eine Saison früher als bei uns, elegant, ach… muss ich noch mehr dazu schreiben?

Rote Kissen auf Kalksteinstufen im Diokletianpalast in Split.

Kirschrote Kissen auf die Ihr Euch setzen könnt, erwarten Euch im Café Luxor (Lvxor), mitten im Peristyl des Diokletianpalastes (Foto: Veronika Wengert).

Klingt nicht gerade wie „typisch Kroatisch“, nicht wahr? Dennoch empfehle ich das Luxor in meinen Kroatien-Reiseführern gerne – auch im Winter hat der Ort was Atmosphärisches, mit Natursteinmauern im Inneren.

Als ich das erste Mal in Split war, war ich komplett abgeneigt, ins Luxor zu gehen. Ein Touristencafé! Diese Lage! Inmitten der wichtigsten Sehenswürdigkeit von Split! Nein, das mochte ich nicht, das klang nach Mainstream. Andererseits fand ich den Ort ziemlich reizvoll, lebendige Geschichte.

Später erzählte mir eine kroatische Bekannte, dass es für sie der schönste Ort in Split sei. Vor allem an den Sommerabenden, wenn wildfremde Menschen zu den Konzerten unter freiem Himmel einfach lostanzen würden. Wenn der Gitarrenspieler im Luxor so melancholische Lieder spiele, dass man nie mehr aufstehen möchte. Jazz, Blues, aber auch mal rockige Töne. Das Peristyl verwandle sich in eine wunderbare Open-Air-Konzertbühne, stimmungsvoll beleuchtet. Ich müsse es einfach selbst erleben, sie könne es mir nicht beschreiben.

Stufen Diokletianpalast Café Luxor

Chillen im Diokletianpalast: Eine Kava auf den großen Stufen mitten im Peristyl muss einfach sein (Foto: Veronika Wengert).

Ich nickte. Ihre Begeisterung war ansteckend! Bei meiner nächsten Reise nach Split war ich soweit: Ich bestellte ich mir eine Kava auf den Stufen, auf denen das Luxor seine Gäste bewirtet. Dort saß ich, mit Blick auf die mächtige schwarze Sphinx, die so völlig aus Zeit und Raum gefallen schien und den Eingang in die Kathedrale bewachte. Sie war eine von ursprünglich zwölf Sphingen, die unter Diokletian aus Ägypten angeschifft wurde.

Sphinx vor der Kathedrale Split

Eine Sphinx bewacht den Eingang zur Kathedrale im Diokletianpalast (Foto: Veronika Wengert).

Mein Blick streifte über den offenen Säulengang mit den korinthischen Kapitellen, der das Peristyl umsäumt und blieb an der Treppe hängen, die zu den Gewölbekellern, Podrumi, hinab führt. Diese verbinden, an Ständen mit reichlich Kunst und Kitsch vorbei (Mitbringsel shoppen!), den Diokletianpalast mit der Riva, der Flaniermeile von Split direkt am Meer.

Im Luxor gibt es hingegen weder Wasser, noch Wellen zu sehen. Dafür das pralle Leben, so wie an diesem Vormittag, wie Ihr auf den Fotos sehen könnt: Mein Blick fällt auf römische Soldaten, die für Selfies posieren und dafür einige Kuna zugesteckt bekommen. Sie seien Studenten, die Stadt würde ihnen den Auftritt genehmigen, erzählt mir einer von ihnen.

Irgendwo geht ein roter Regenschirm in die Höhe, eine Menschentraube schart sich um eine Reiseleiterin. Mehrere ovale Schilder mit Zahlen ragen über den Köpfen empor, ziehen durch das Peristyl des Diokletianpalastes. Sie tragen Namen verschiedener Kreuzfahrtgesellschaften, deren große Luxusschiffe vor Anker liegen.

Peristyl Diokletianpalast Split

Im Luxor sitzt Ihr genau hier, rechts, mitten im Peristyl des Diokletianpalastes (Foto: Veronika Wengert).

Ich höre englische, deutsche, italienische Wortfetzen, sehe japanische Urlauber. Und dazwischen immer wieder Einheimische, die Gäste durch den Diokletianpalast führen und von dessen Architektur schwärmen: „Stellen Sie sich vor, nur wenige Jahrhunderte danach wurde aus diesem heidnischen Mausoleum eine christliche Kathedrale…“, schnappe ich von einem kroatischen Reiseleiter auf. Er erzählt die Geschichte der Kathedrale, die ursprünglich das Mausoleum war. Hier wurde Kaiser Diokletian nach seinem Tod beigesetzt. Doch, oh Ironie des Schicksals. War Diokletian nicht für die Christenverfolgung unrühmlich in die Geschichtsbücher eingegangen? Und nun ruhte er in einem Gotteshaus…

Der Diokletianpalast: Früher Altersruhesitz, heute InnenStadt

Ein Pärchen blättert in der Getränkekarte des Luxor, vermutlich sind sie zu Gast in der Stadt. Wären sie aus Split, so meine Vermutung, würden sie ohnehin nur eine Kava bestellen. Klein, stark, schwarz, höchstens mit ein wenig Zucker versüßt, anderswo als Espresso bekannt. Eine Kava gehört in Kroatien zum Tagesablauf, ist fest darin integriert: Ganz gleich, wie viele Wäschekörbe zu Hause noch warten, ob die Abrechnung noch gemacht werden muss oder ob die Zeit bis zum nächsten Monatsersten geldtechnisch eigentlich einen Besuch verbietet: Eine Kava ist für die Kroaten irgendwie immer drin, ein persönlicher, kleiner Luxus, der sein muss.

Und das Luxor? Genial, ich bin mittendrin, aber dennoch total relaxed. Ich muss keinem roten Regenschirm folgen, ich muss nicht auf den Campanile (13.-15. Jh.) hinaufklettern, um einen wundervollen Panoramablick auf Split und das Meer zu erhaschen, sondern ich kann einfach sitzen bleiben, mitten in diesem Trubel und meine Kava genießen. Ein perfekter Ort zum People watching! Probiert es aus!

Cafe Luxor Tür

Das Café Luxor gilt als Institution in Split (Foto: Veronika Wengert).

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade #SchlossGenuss: www.sgd-zu tisch.de/de/blogparade-schlossgenuss - klickt Euch auf dieser Seite doch einfach durch, was die anderen Blogger zum Genuss in Schlössern, Burgen, Palästen und Co. in Europa schreiben!

Infos: Diokletianpalast Split


Weitere Infos: http://www.visitsplit.com/hr/528/peristil


Diokletianpalast: Öffnungszeiten, rund um die Uhr, Eintritt frei


Gewölbekeller: Juni bis September 8.30 – 22.00 Uhr, April, Mai, Okt. 8.30 – 21.00 Uhr (im Okt. So. nur 9.00-17.00 Uhr), Nov-März 9.00-17.00 (So. bis 14.00 Uhr), Eintritt: 42 Kuna

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(1) comment

Herzlichen Dank, liebe Veronika Wengert,für diesen tollen Artikel! Er entführt uns mit der Blogparade #SchlossGenuss wunderbar weg aus den deutschen Schlössern hinein in den Süden und in die Antike. Und er zeigt genau das, was wir mit unserer Aktion zeigen wollen: unsere gemeinsamen europäischen Wurzeln und unsere Nähe, die sich so schön in diesen Kulturgütern ausdrückt.

Herzliche Grüße
Andrea Hahn vom Projekt “Zu Tisch! Genießen in Schlössern und Gärten”

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